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So ziemlich genau vor 4 Jahren hing ich in einem Job fest, der mich mehr als unglücklich machte.

10 Jahre war ich bereits als Designerin in der Modebranche tätig. Vor diesem Job gönnte ich mir eine 6-monatige Auszeit von der Konsumindustrie und zog zurück in meine Heimatstadt. Etwas, was für mich den Stressfaktor Pendeln ein für allemal beseitigte.

Ich sollte also verdammt nochmal ausgeruht und voller Energie sein. Das war zu Beginn auch der Fall, aber in mir regte sich Widerstand. Ich hab es nicht gleich bemerkt, aber als ich von der Reise zurück kam, aber ich war nicht mehr dieselbe.

Ich befand mich zwar am gewünschten Ort, aber leider in einer Firma, die mir nicht die geringste Wertschätzung gegenüber brachte.

Meine Kollektionsteile wurden regelmäßig storniert, dafür wurden billige Waren eingekauft. Quantität nicht Qualität war die Devise.

Ich suchte plötzlich nach dem tieferen Sinn meiner Arbeit und weiß noch ganz genau, wie ich morgens beim Frühstück regelmäßig in mein Müsli geweint habe.

Ich ertrug ganze 1 ½ Jahre diesen Zustand, denn ein Umzug war keine Option mehr.

Meine Kreativität war dementsprechend am absoluten Tiefpunkt. Trotzdem war ich darauf konditioniert auch in dieser Zeit Leistung zu bringen und entwickelte immer neue Designs.

Alles in der Hoffnung, dass sich alle noch zum Guten wenden würde, wenn ich nur weiterhin energisch meine Arbeit erledigen würde.

Tatsache ist: Das war eine große Illusion und eine wichtige Erfahrung, die mich letztendlich in meine Selbständigkeit geführt hat.

Fehler im System

Ich reduzierte meine Stunden, um an einem Tag in der Woche selbständig zu arbeiten. Ich spürte, dass es da draußen noch mehr für mich gab, wie die neusten Trends zu analysieren und ständig neue Kollektionen auf den Markt zu werfen, von denen es ohnehin schon viel zu viele gab.

Mode empfand ich plötzlich in etwa so nachhaltig wie Kaffeekapseln. Produziert irre viel Müll und ist schnell verbraucht.

Die vielen Tränen waren ein Hilferuf, endlich mehr nach meinen Werten zu leben. Erfolg und Karriere wurden langsam aber sicher durch Familie, Nachhaltigkeit und Kreativität ersetzt.

Um eine neue Perspektive zu erhalten, probierte ich mich nebenberuflich im Textildesign aus. Doch ich wollte gänzlich weg vom Kreativ sein am PC und entdeckte meine analoge Kreativität wieder.

Das Ausleben meiner Kreativität fernab des Angestelltenverhältnisses, setzte einen Prozess in Gang, in dem ich plötzlich anfing, alles zu hinterfragen: Die Mode, die Umweltbelastungen, die Konsumgesellschaft und letztendlich auch das Schulsystem.

Dazu musst du wissen, dass meine Schulzeit nicht gerade von Erfolgen gekrönt war. Ich hatte andere Interessen und geriet schnell unter die Räder des Gymnasialen Systems. Ich war wie ein Fehler in diesem System, ein Rädchen, das sich nicht richtig mit drehen wollte.

Es war eine unglaubliche Anstrengung für mich dem Leistungsdruck stand und mit den anderen mitzuhalten.

Ich brach frustriert und mit einem Selbstwertgefühl das gegen 0 ging die Schule nach der 10. Klasse ab, ohne mein Abitur zu machen.

Ich fühlte mich damals wie eine Versagerin, ob ich mich heute noch so fühle? Zum Glück Nein.

Was läuft hier eigentlich schief?

Ich könnte dir jetzt die Geschichte erzählen, dass ich als Kind immer schon gerne kreativ war, aber das ist etwas, was man eigentlich über jedes (Klein-) Kind sagen kann.

Oh ja auch über dich!

Ich hingegen war nicht nur gerne kreativ, im Sinne von basteln, malen, musizieren. Es war meine Welt in der ich mich zu 100% pudelwohl fühlte.

Bedingt durch meine Asthma Erkrankung war ich ein eher ruhiges Kind. Ich liebte es aber über alles, es mir allein in meinem Zimmer auf dem Boden bequem zu machen, um zu malen und mir kleine Geschichten dazu auszudenken.

Ich hatte eine ausgeprägte Vorliebe für schöne Dinge, sammelte Steine und Seifen und hatte einen Sinn für Farben und Ästhetik. Mit dem ersten PAINT Programm auf unserem PC, fing ich an aus reinem Spaß Bilder zu malen.

Ich erinnere mich noch gut an den globigen Röhrenmonitor meiner Eltern und die Herausforderung mit einer schwergängigen Maus zu malen.

Aber ich mochte diese Herausforderungen.

Kein Wunder also, dass ich mir einen kreativen Beruf aussuchte, bei dem ich später viel am PC zeichnen würde.

Auf der Modefachschule entwickelte ich einen unbändigen Ehrgeiz, der mir zwar zu einem guten Abschluss, mich aber nicht vor weiteren Enttäuschungen bewahrte.

Als Nicht-Studien-Absolventin und Berufsanfängerin einen Fuß in die Welt der glitzernden Modebranche zu bekommen gestaltete sich gelinde gesagt als schwierig.

Ich fragte mich: Was läuft in dieser Welt eigentlich schief?

Alle waren wie besessen von Leistung, guten Abschlüssen und es schien mir ein absolutes Muss zu sein zu studieren, wenn man etwas “werden“ will.

Sagt denn ein Abschlusszeugnis wirklich so viel darüber aus, wer ich als Mensch bin und welche Begabungen ich mitbringe?

Ich sage Nullkommanix.

Die Qualität des Lebens

Mit 27 hatte ich es, dank meines Ehrgeizes und meiner Hingabe für Design trotzdem geschafft. Ich war Führungskraft, hatte ein kleines Team und das große Privileg für meinen Job in der Welt reisen zu dürfen.

Reisen hat mir in meinem Leben einiges an Selbstbewusstsein zurückgegeben und viele neue Perspektiven eröffnet. Trotzdem hat mich mein Beruf letztendlich nicht glücklich gemacht.

Jetzt sind wir vielleicht an dem Punkt angekommen, an dem du dich fragst, warum ich dir das alles erzähle richtig?

Nun ja, zum einen hat es sehr viel damit zu tun, wer ich heute bin und warum ich tue was ich tue.

Wir alle bringen unsere ganz eigenen Begabungen mit auf diese Welt. Ich durfte rückblickend lernen, dass die Qualität des Lebens nicht davon abhängt, welchen Abschluss oder Leistung du in diesem Leben erbracht hast.

Ich dachte lange ich bin irgendwie falsch und nicht gut genug. Aber es war nicht ich die falsch war, sondern unser System welches dringend überarbeitet werden müsste.

Wenn du dich für dieses Thema interessierst, schau dir den Film Alphabet von Erwin Wagenhofer ans Herz an.

Aber zuerst lies meinen Beitrag zu Ende, denn jetzt kommen wir zu meinen 5 wichtigsten Erkenntnissen zu Kreativität:

1. Der innere Widerstand

„Ich bin nicht kreativ!“

Ein Satz der dir bekannt vorkommt richtig? Die letzten 3 Jahre in meiner Selbständigkeit habe ich diesen Satz sehr häufig zu hören bekommen.

Zu Beginn bin ich hier nie besonders in die Tiefe gegangen. Es ging mir in meiner Selbständigkeit darum, den Spaß an Kreativität und insbesondere Art Journaling zu vermitteln.

Dass diese Bestrebungen in meine Elternzeit fielen, war für mich natürlich ein Glücksfall. So konnte ich mich ausprobieren und nebenbei etwas aufbauen.

Doch auch hier hatte die Kreativität für mich schon eine tiefere Bedeutung. Sie half mir die neuen, verwirrenden Gefühle als Mutter einzuordnen und zu verarbeiten.

Mein Sohn kam 2 Monate zu früh auf die Welt. Art Journaling erwies sich als Rettungsanker für das erste turbulente Jahr.

Warum andere Menschen beim Thema Kreativität in den Widerstand gingen, war mir zunächst ein Rätsel.

Doch rückblickend steckt die Lösung dieses Rätsels auch in meiner Geschichte. Wir alle kommen kreativ zur Welt und sind es auch bis zu dem Punkt, an dem die Gesellschaft auf uns Einfluss nimmt.

Leistungsbereitschaft wird in der breiten Masse gefördert, nicht aber Eigensinn und „Träumereien“.

Wir können nichts für unseren Widerstand. Denn wer würde nicht etwas ablehnen, von dem er weiß, dass das Ergebnis wohlmöglich nicht von Erfolg gekrönt ist?

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2. Perfektion ist der Tod der Kreativität

Ob du es glaubst oder nicht: Auch ich habe lange gebraucht, um von meinem Perfektionismus loszukommen und frei aus mir heraus zu kreieren. Statt den Prozess zu genießen, bewertete ich unablässig meine Ergebnisse. So wie ich auch früher an meinen Kollektionen bewertet wurde.

Selbst heute übe ich mich noch darin, keine Perfektion von mir zu verlangen. Im künstlerischen Bereich habe ich das dank Art Journaling und dem Willen, etwas in meinem Leben zu ändern, geschafft.

Mit zunehmendem Kontakt mit Teilnehmerinnen meiner Kurse erkannte ich schnell 2 Dinge:

  • Was uns Menschen wirklich in unserer Kreativität blockiert
    und
  • wie kostbar Kreativität für unser ganzes Leben und Wohlbefinden ist

Vielleicht erinnerst du dich noch daran, als du ein kleines Kind warst und dir ein Blatt Papier und Stifte geschnappt hast, um zu malen.

Denkst du, du hast du darüber gegrübelt ob du gut genug bist ein spezielles Bild zu malen oder hast einfach losgelegt, weil es dir Freude bereitet hat?

Ich bin mir sicher es war letzteres.

Und genau diese Fähigkeit, nämlich aus Freude und ohne Ergebnisdruck zu kreieren, fällt uns heute als Erwachsene sehr viel schwerer.

Wir denken erst wenn wir etwas geleistet haben, können wir uns erlauben zu spielen. Das stimmt nicht.

Zum Glück ist es uns auch jetzt noch als Erwachsene möglich, uns wieder mit dieser spielerischen Seite zu verbinden, die für uns als Kind selbstverständlich war.

Etwas, was sich in meinen Kursen & Workshops wunderbar durch Art Journaling vermitteln lässt.

Die Belohnung dafür, ist ein tieferer Zugang zu uns selbst und das setzt wiederum eine Quelle frei, aus der wir neue Ideen und auch Lösungen für unseren Alltag schöpfen können.

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3. Mutig aus der Masse herausstechen

Vergleichen sehe ich als weiteres Problem, welches durch die sozialen Medien enorm befeuert wird und zwar in allen Bereichen.

Ich bin selbst in diese Falle getappt und verglich mich zu Beginn meiner Selbständigkeit mit anderen Kreativen.

Die Frustration, wenn ich etwas nicht genauso hinbekommen habe, war immer groß. Relativ schnell verlor ich die Lust dem Konsens zu folgen und z.B. die gleichen Schriftzüge wie alle anderen zu lettern. Manch einer gibt an diesem Punkt vielleicht ganz auf.

Versteh mich bitte nicht falsch, sich bestimmte Techniken anzueignen oder sich von anderen inspirieren zu lassen und Freude daran zu haben ist völlig in Ordnung.

Sobald wir aber versuchen 1zu1 zu imitieren und “perfekt“ zu sein, schwindet die Freude spätestens an dem Punkt an dem wir die Arbeiten der anderen sehen und uns vergleichen.

Mir geht es in meiner Arbeit darum, die vorgegebenen Bahnen und Vorlagen auch irgendwann zu verlassen. Sodass wir wieder lernen unsere eigene Stimme zu finden. Und keine Angst mehr davor zu haben, mutig aus der Masse heraus zu stechen.

Du siehst, das geht tiefer wie Kreativität und ich muss hier etwas ausholen:

„Thinking outside the box“ ist heute eine gefragte Kompetenz in innovativen Unternehmen.

Das Problem: Wir sind es alle nicht gewohnt, um die Ecke zu denken, weil es schlichtweg nie gefragt war. Und das obwohl wir in der heutigen Zeit viel mehr Menschen bräuchten, die dieses Denken auf immer komplexer werdende Themen anwenden.

Denn was unsere Welt heute dringend braucht, sind neue, mutige Lösungen die außerhalb der „Normalspur“ liegen.

Das wurde mir erst so richtig klar, als ich die „Normalspur“ verlassen habe, um mich selbständig zu machen.

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4. Kreativität steckt in unserer Natur

„Wir vergessen, dass Fantasie und Freude am Spiel das Herzstück einer jeder guten Arbeit sind“ schreibt Julia Cameron in ihrem Buch Der Weg des Künstlers.

Ich bin davon überzeugt, egal ob du künstlerische Ambitionen hast oder einfach nur etwas für dich selbst machen möchtest:

Um das Spiel kommst du nicht herum, wenn du irgendwann etwas in deinen Werken sehen möchtest, dass deine Augen strahlen lässt.

Was dazu nötig ist:

Dass wir wieder neugieriger werden, Dinge erforschen, wieder anfangen zu spielen und Fortschritte, aber keine Perfektion mehr von uns verlangen.

Erst letzte Woche habe ich bei einer Veranstaltung einen Collagen Workshop gegeben. Die Teilnehmer*innen kamen spontan vorbei, wussten also nicht was auf sie zu kommt.

Ich wählte das Thema Collage und stellte aus meinem Fundus vielerlei bunte Papiere, Schere und Klebstift auf den Tisch bereit.

Es gab von mir keine konkrete Anleitung, sondern nur ein paar Beispiele als Inspiration. Eine kleine Einführung in die Materialien und eine Postkarte auf der die Papiere arrangiert werden konnten.

Zugegeben ich hatte etwas Bammel, ob das mit einem “fremden“ Publikum funktioniert, welches sich nicht explizit für einen meiner Workshops angemeldet hatte.

Aber es stellte sich heraus, dass am Ende jeder einzelne etwas aufs Papier brachte.

Mütter, deren Kinder an meinem Workshop teilnahmen und eigentlich gar nicht selbst teilnehmen wollten, gestalteten völlig frei ihre eigene Collage und waren überrascht über sich selbst.

Kreativität steckt in unserer Natur. Unsere Kinder sind uns dafür die größten Vorbilder.

Es erfordert etwas Mut und Neugierde braucht es auch, aber dann ist es einfach nur Balsam für die Seele.

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5. Wer willst du sein?

Ob Malen, Schreiben, Tanzen oder eine andere Tätigkeit, die dem Selbstausdruck dient: Kreativität bringt uns zurück zu unserem wahren Kern und befördert neue Ideen und Einsichten zum Tageslicht

Doch wie oft gehen wir diesen Tätigkeiten nach?

Ich sehe hier einen großen Mangel. In einer Zeit, die so komplex ist und in der es so viele Ablenkungen wie nie zuvor gibt, finden wir oft nicht die nötige Ruhe uns mit uns selbst zu beschäftigen.

“ Selbstausdruck kann erst dann gelingen, wenn wir ein Selbst haben, das wir zum Ausdruck bringen können“. Julia Cameron

Worte die sehr gut aufzeigen, woran viele scheitern, wenn es um die Aktivierung von Kreativität geht. Denn damit diese aufblühen kann, müssen wir bereit sein uns selbst anzunehmen, so wie wir sind.

Doch wo sollen wir nach diesem „Selbst“ suchen?

Das Ausleben unserer Kreativität kann uns dabei einen großen Schritt weiterhelfen und den Zugang öffnen, von dem wir fast vergessen hätten, dass er überhaupt existiert.

Art Journaling hat mir persönlich die nötige Freiheit gegeben, mich spielerisch und ohne Druck diesem Zugang wieder zu nähern. Weg von dem Leistungsgedanken, der mich so lange verfolgt hat. Rein in das Genießen des Prozesses, um so meine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu lenken.

Erlebnis statt Ergebnis eben.

Und das ist etwas was ich mir aus tiefstem Herzen auch für dich wünsche.

Nein eigentlich sollte jede*r Erwachsene diese Erfahrungen machen dürfen. Denn es eröffnet einen Horizont an neuen Möglichkeiten, die wir wiederum dafür nutzen können, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Frag dich also mal: Wer willst du sein?

Willst du fremdbestimmt á la “Malen nach Zahlen“ durchs Leben gehen oder dich lieber frei entfalten?

Und damit bin ich auch am Ende meine etwas anderen und sehr persönlichen Blogposts über Kreativität. Ich hoffe du konntest etwas für dich mitnehmen, schreib mir gern deine Gedanken in die Kommentare oder melde dich bei mir über hello@marakreativstudio.de.

Deine

tamara