Wolltest du immer schon mal dein eigenes Papier schöpfen? In meinem DIY Papier schöpfen im Terrazzo Look, zeige ich dir, wie man effektvolle Papiere mit etwas Equipment zuhause selbermachen kann und dabei noch Altpapier recycelt!

Seit meiner Kindheit hege ich einen Faible für Papeterie und aus diesem Grund habe ich im letzten Jahr einen Workshop in der PAPIER OFFIZIN bei Nürnberg besucht und dort eine erste Einführung in das Thema Papier schöpfen zu bekommen. Vom klassischen, weißen Bogen mit wunderschönem Büttenrand bis zu fantasievollen, bunten Papieren stellte ich eine ganze Palette an tollen Papieren her und war begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten, mit Papier kreativ zu werden. Anfangs war ich sehr skeptisch, ob ich den Prozess ohne die professionelle Ausstattung einer Papierwerkstatt zuhause umsetzen kann. Aber wie heißt es doch so schön: EINFACH MAL MACHEN 💪! In meinem Fall habe ich es mit Hilfe des Buches Das Papierhandwerk von Joseph Asunción und etwas Vorbereitung wenig später zur Umsetzung geschafft!

Lese hier, wie du selbst wunderschöne Terrazzo Papiere schöpfen kannst. LOS GEHT’S!

MATERIALLISTE:

Schöpfbecken: Wanne, Spülbecken oder Plastikkiste ca. 60x40cm oder kleiner

Faserbrei: mindestens 3 verschiedene Farben Altpapier
→ ich habe Seidenpapier und Packpapier benutzt, es eignen sich aber auch z.B. Zeitschriften

Schöpfformen: 2 Holzschöpfformen in A4 oder A5
diese findest du z.B. bei Boesner

Mixer:  handelsüblicher Küchenmixer
Ich habe mir für meine Papier Projekte einen gebrauchten Hochleistungsmixer mit 2000 Watt günstig erstanden. 1500 Watt war für mich das Minimum an Leistung, falls euer Mixer weniger Leistung hat, empfehle ich erstmal einen Testlauf zu starten

Gautschtücher: Allzweck-Putzlappen bzw. Vlies + 2 Bretter als Unterlage

Presse: 2-4 Bretter + 2 Holzwingen

Wäscheständer und Wäscheklammern

SONSTIGES: Eimer, Messbecher, ggf. Küchenwaage, Handtücher



STEP BY STEP ANLEITUNG

1. Faserbrei herstellen

VOBEREITUNG:  Das Altpapier per Hand in kleine Stücke reißen, damit der Mixer dieses besser verarbeiten kann.

Die Schnipsel gibst du zusammen mit Wasser in den Mixer. Das Verhältnis von Papier zu Wasser ist ungefähr 50/50. Mit dem mixen startest du zunächst auf niedrigster Stufe und steigert dann langsam zur höchsten Stufe. Für einen schönen Terrazzo Effekt mixt du die einzelnen Farben zunächst getrennt und gibst diese in verschiedene Behältnisse. Bei Seidenpapier dauert es nur ca. 3 Minuten bis ein schöner Papierbrei entstanden ist. Diesen erkennt ihr daran, dass er schön gleichmäßig ist und nicht flockt.

Beachte bitte immer die maximale Füllhöhe deines Mixers und fange zu Beginn mit einer kleineren Menge und einer Testrunde an. Ich habe meinen Faserbrei in mehreren Mixrunden hergestellt und dann einfach zusammengekippt

Bei dickeren Papieren ist es sinnvoll, diese vor dem Mixen 1-2 Stunden in Wasser einzuweichen

Wie viel Altpapier du für dein Projekt benötigt, kannst du mit einer Formel exakt berechnen oder zum Ausprobieren auch ganz nach Gefühl arbeiten. 👉Die Formel findest du hier.

2. Papier schöpfen

VORBEREITUNG:  Fülle so viel Wasser in dein Schöpfbecken, damit du den Schöpfrahmen, wie im Video unten gezeigt, an der Längsseite gut ins Becken eintauchen kannst.

Fülle nun die verschiedenen Faserbreie in das Becken. Beachte dabei, dass du vor jedem Schöpfen den Brei gut umrührst, damit die Fasern nicht flocken. Stecke nun deinen Schöpfrahmen aufeinander, sodass das Metallnetz unten ist. Tauche den Rahmen mit der längeren Seite voran bis knapp zum Boden des Beckens ein und ziehe ihn in einer fließenden Bewegung möglichst waagerecht wieder heraus. Bewege den Rahmen nun sanft über der Wasseroberfläche hin und her, damit das restliche Wasser ablaufen kann. Der Rahmen sollte nun gleichmäßig mit dem Faserbrei bedeckt sein. Falls das nicht gleich geklappt hat, gebe die Masse einfach wieder in das Becken zurück und probiere es noch einmal. Mit etwas Übung geht das Schöpfen danach immer schneller von der Hand. Und mal ehrlich: es kommt nicht darauf an, makellose Papiere herzustellen, sondern gerade deren individuelles Aussehen macht doch den Reiz aus!

Ich habe nach dem Schöpfen (wie im Video gezeigt) noch etwas Glitzer auf das nasse Papier gegeben. Besser hält dieses aber wenn man es direkt vor dem Schöpfen in das Becken gibt, da es sich so besser mit den Fasern verbindet. Bei meinen fertigen Papieren kam mir nämlich einiges an Glitzer wieder entgegen 😅

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3. Papier Abgautschen

VORBEREITUNG: Die Gautschtücher in Wasser einweichen, etwas auswringen und aufeinander stapeln. Danach als Unterlage ein wasserbeständiges Brett mit 2-3 großen Tüchern vorbereiten und darauf das erste Gautschtuch auflegen. Den restlichen Stapel kannst du einfach daneben platzieren. Beim Abgautschen wird viel Wasser freigesetzt, also stattet deinen Arbeitsplatz vorher so aus, dass du genügend Unterlagen benutzt oder Eimer, die das Wasser auffangen können.

Hebe nun vorsichtig den Rahmen von der Schöpfform ab und lege diesen zur Seite. Dann rolle deinen Rahmen mit dem frischen Papier wie im Video gezeigt auf das erste Tuch ab und lege das nächste einfach darauf, sodass am Ende wieder ein Stapel entsteht. Jetzt wiederholt du STEP 2 und 3 so lange, bis der Faserbrei im Becken so gut es geht aufgebraucht ist.

→ Das restliche Wasser im Schöpfbecken kippst du am Besten durch einen feinen Sieb zurück in den Abfluss, damit der übrig gebliebene Faserbrei nicht die Rohre verstopfen kann.

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4. Papier pressen

Auf den fertigen Stapel mit den abgegautschten Papieren platzierst du wieder 2-3 Tücher als Stütze und abschließend ein zweites Brett als Deckel. Zum pressen habe ich dann jeweils oben und unten weitere Bretter zugefügt, sodass ich die Schraubzwingen gut befestigen konnte. Bei diesem Schritt musste ich mir Hilfe holen, da etwas mehr Kraft notwendig war, um die Zwingen bis zum Anschlag zuzudrehen. Meine ganze Konstruktion habe ich dann einfach auf das Schöpfbecken gestellt, damit das Wasser dort hinein ablaufen konnte. Stellt dich darauf ein, dass am Anfang ziemlich viel Wasser abläuft und bereite die Umgebung dementsprechend vor 😉 Ich habe die Papiere ca. 2-3 h gepresst und immer wieder nachgeschaut, ob noch Wasser nachkommt.

5. Trocknen

Je nachdem wie filigran dein Papiere ist, kannst du dieses einzeln oder auch mitsamt dem Gautschtuch trocken. Bei sehr dünnem Papier ist es ratsam, diese auf dem Gautschtuch zu belassen. Jedoch dauert die Trocknung dann etwas länger. Ich habe meine Papiere vorsichtig an der kurzen Seite mit beiden Händen an den Ecken vom Tuch abgelöst und diese dann mit Wäscheklammern aufgehängt. Als Schutz vor Abdrücken auf dem frischen Papier, habe ich unter die Wäscheklammern einen kleinen Streifen Stoff geklemmt. Wenn die Papiere trocken sind, kannst du diese vorsichtig vom Wäscheständer oder den Gautschtüchern abnehmen.

TIPP: Wenn du dein Papier auf dem Gautschtuch trocknen lässt, kannst du dieses vor dem Lösen des Papierbogens kurz in beide Richtungen stretchen. Du wirst sehen, dass sich das Papier so besser ablösen lässt.

diy papier schöpfen, papiere trocknen

6. Papier glätten

Die getrockneten Papiere sind jetzt noch sehr wellig, deshalb muss man diese nochmals pressen. Staple hierzu jeweils abwechselnd 3-4 Papiere und Bretter übereinander. Hier kannst du die Bretter vom vorherigen pressen benutzen, wenn diese trocken sind. Am Ende befestigt du wieder die Schraubzwingen und zieht diese erneut gut fest. Jetzt heißt es ca. 1 Tag warten, dann kannst du die Zwingen lösen und dein erstes handgeschöpften Papiere bestaunen! YAY 🙌.

FOTO: Der ganz linke Stapel ist das Ergebnis der Mischung Schwarz mit weiß. Bei den beiden rechten Stapeln habe ich beiges Packpapier beigemischt.


Klingt erstmal ziemlich aufwendig, oder? Ja ich weiß, etwas Vorarbeit muss man schon leisten. Aber wenn man mal weiß wie man Papier richtig schöpft (ich spreche da aus Erfahrung), macht es mehr und mehr Spaß 🤩. Deswegen wirst du hier bald auch weitere DiY´s zum Thema Papier und kreative Ideen für die Weiterverarbeitung finden.

Ich wünsche dir jetzt ganz viel Spaß bei der Umsetzung und freue mich über Austausch und Feedback in den Kommentaren!


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