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Cyanotypie, unter anderem auch bekannt unter Blue- oder Sunprint, ist eines der ältesten Fotodruckverfahren und ergibt wie der Name schon sagt Bilder in vielfältigen Blauschattierungen, die an Indigofärbungen erinnern.

Um 1843 etablierte Anna Atkins als britische Naturwissenschaftlerin die Cyanotopie mit Pflanzendrucken, indem sie Farne und andere Pflanzen in ihren ersten Büchern dokumentierte.

Der große Vorteil der Cyanotypie für Künstler und Kreative heute ist, dass keine komplizierte Technik nötig ist, um diese Drucke zu erstellen. Man braucht lediglich eine 2-komponenten Lösung und im besten Fall viel Sonne, um die Drucke zu entwickeln. Die dekorativen Ergebnisse sind kreativ vielseitig nutzbar und zudem bereitet es einfach sehr viel Freude Pflanzen oder andere Materialien auf Papier oder Stoff abzubilden.

Cyanotypie Drucke auf Stoff

Bei Stoffen sind leicht-transparente Naturstoffe wie Baumwolle, Leinen oder Voiles in weiß oder creme ideal, denn diese entwickeln sich in der Sonne sehr schnell und verbrauchen wenig Lösung.

Wer aus den bedruckten Stoffen etwas nähen will, kann aber natürlich auch dickere Stoffe wie Baumwoll-Satin oder günstigen Nesselstoff verwenden. Hier braucht man jedoch etwas mehr Lösung und muss damit rechnen, dass der Indigoton nicht so dunkel wird, wie bei den leichteren Stoffen.

Ich nutze zum Beispiel gerne die alten Stofftaschentücher der Großeltern für meine Stoffdrucke. Der Re- und Upcycling Gedanke schwingt nämlich auch hier bei mir wieder voll mit. Ich liebe es einfach, scheinbar wertlosen Dingen, neues Leben einzuhauchen.

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Cyanotypie Drucke auf Papier

Bei Papieren kann es schon etwas kniffliger werden, das sie sich je nach Grammatur und Haptik alle unterschiedlich entwickeln. Nach so einigen Cyanotypie-Sessions kann ich aber sagen, dass recht glatte Papiere, die die Farbe nicht zu sehr aufsaugen, sich am Besten eignen.

So sind offenporige Aquarellpapiere eher weniger exakt im Druckbild und auch mit normalem Druckerpapier wird man wenig Freude haben. Mit Briefpapier oder Buchseiten dagegen können sehr scharfe Konturen entstehen. Im Internet gibt es aber auch spezielle „Cyanotopie Papiere“ zu kaufen wie z.B. hier bei Manufactum.

Nichts desto trotzt, macht es aber natürlich auch eine Menge Spaß alle möglichen Papiere zu testen und die Effekte zu beobachten. Für den Anfang empfehle ich daher auch immer verschiedene Materialien auszuprobieren und sich langsam an das gewünschte Ergebnis heranzutasten.

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Motive für den Druck

Die beliebtesten und einfachsten Motive in der Cyanotypie sind Pflanzen und Blumen aller Art. Diese können gepresst, aber auch frisch geschnitten genutzt werden.

Zu beachten gibt es jedoch, dass filigrane Pflanzen wie Gräser oder Farn im Gegensatz zu großflächigen Blättern spannendere Ergebnisse liefern. Der Druck bildet immer ein Negativ des Motivs ab, daher ist die Kontur der Pflanze natürlich das entscheidende.

Darüber hinaus sind der Fantasie aber keine Grenzen gesetzt. So habe ich schon mit alten Büroklammern, Federn, Spitzenstoffen, Steinen aber auch ausgeschnittenen Schriftzügen gedruckt. Im Prinzip eignet sich alles, was eine spannende Außenkontur hat.


Diese Materialien brauchst du für den Cyanotypie Druck

  • 2 Komponenten Lösung bestehend aus Ammoniumeisencitrat (grün) Kaliumhexacyanoferrat (rot) Im Internet zu finden unter: CYANOTOPIE SET
    > Achtung : kann Atemwege und Augen reizen, am Besten im Freien verwenden, Handschuhe benutzen und von Kindern fern halten
  • Alte Schüssel und Wasser zum anmischen der Lösung
  • Einmalhandschuhe
  • Breiter Malerpinsel oder Schwammpinsel
  • Unterlage z.B. altes Schneidebrett
  • Glasplatte z.B. von altem Bilderrahmen (optional)
  • Kleines Wasserbecken oder Spülbecken
  • Papiere und Stoffe nach Wahl
  • Motive nach Wahl z.B. Pflanzen, Fundstücke, Spitze

Schritt für Schritt Anleitung

1) 2-komponenten Lösung zusammenmischen (Anleitung ist immer beim Kauf des Sets dabei)

2) Materialien und Unterlage richten und ggf. vorab die Komposition überlegen

3) Papier oder Stoff auf der Unterlage auslegen und mit einem breiten Pinsel die Lösung aufbringen (1x bestreichen reicht meist bei dünnen Materialien). Stoffe kann man alternativ auch eintauchen und auswringen. Hier aber unbedingt Einmal-Handschuhe tragen, da die Lösung die Haut reizen kann.

4) Materialien auf der Lösung arrangieren. Bedenke, dass diese immer als Negativdruck dargestellt werden!

5) Fertige Arrangements mit einer Glasplatte bedecken und fixieren, damit ein randscharfer Druck entsteht. Es funktioniert aber auch ohne Platte, dafür müssen die Materialien aber windgeschützt sein.

6) —Belichtung im UV Licht— Die Zeit variiert zwischen 10-15 Minuten in der Sommersonne und bis zu 75 Minuten an dunkleren Wintertagen. Der Druck verfärbt sich in dieser Zeit von gelb/grün zu blau.

7) Wenn die gewünschte Färbung erreicht ist, Glasplatte und Motive abnehmen und überschüssige Farbe unter fließendem Wasser auswaschen oder in ein Wasserbecken tauchen.

Die Farbe verwandelt sich nun innerhalb weniger Sekunden in ein schönes Blau. Der Teil der mit dem Motiv verdeckt und unbelichtet ist behält die ursprüngliche Farbe des Untergrundes. Auf den belichteten Stellen ist die Beschichtung unlöslich und fest mit dem Untergrund verbunden (Stoffe sind waschbar!)

8) Drucke im Liegen trocknen z.B. auf Wäscheständer, da überschüssige Farbe noch wandern kann

Im Video sieht du nochmal meinen Prozess anhand verschiedener Materialien wie Farn, Lavendel, Netzstoff und eines Schriftzugs:

Ideen für die Weiterverarbeitung der Cyanotypie Drucke

Du fragst dich vielleicht was du nach dem Drucken mit deinen Motiven so alles anstellen kannst? Da ich natürlich Art Journaling begeistert bin, wandern bei mir die meisten Drucke als Collagenpapiere in mein Journal. Aber es gibt noch unzählig viele andere Möglichkeiten, wie z.B.:

  • Stoffmotive für dein nächstes Nähprojekt z.B. Kissenhüllen, Tischsets, Taschen etc.
  • Als Grundmotiv für eine Stickerei
  • Collagenpapiere für dein Art Journal
  • Postkarten, Grußkarten aller Art
  • Wandgestaltung (gerahmtes Bild oder Stoffbehang)
  • usw.

Als Inspiration zeige ich dir hier im Video, wie ich aus meinen Drucken ein kleines Journal gebunden habe. Das Cover ist übrigens aus SnapPap und ich habe viele Buchseiten, Briefpapiere und Seiten aus Skizzenbüchern verwendet:

Einfach mal „BLAU“ machen

Die Cyanotypie Drucke sind für mich im Sommer eine tolle Abwechslung zu meiner Arbeit in den Art Journals. Zudem fühle ich mich dadurch mehr mit der Natur verbunden die mich umgibt und sehe die Pflanzen in unserem Garten in einem ganz neuen Licht.

Falls du noch mehr Ideen brauchst empfehle ich dir noch die Homepage von Sarah von atwaterdesigns zu besuchen, die auch für meine Drucke eine große Inspiration ist.

Ich hoffe, dir hat diese Anleitung gefallen. Wenn du Anregungen oder Feedback hast, hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Deine

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